Falten, falten, falten – eine Woche im Klamotten-Paradies – Job 4

Und wieder ist es soweit Abschied zu nehmen. In meinem vierten Job als Verkäuferin bei Vero Moda habe ich soeben die letzten Klamotten niedergelegt und nehme mein Fazit vorweg: Meine beste Kundin war ich selbst!

Mein erster Arbeitstag ist der Montag. Ich bin für die Spätschicht eingeteilt, Arbeitsbeginn ist 11 Uhr. Store Managerin Ulrike gibt mir eine erste Einweisung. 11.15 Uhr stehe ich bereits auf der Verkaufsfläche. Meine Aufgabe: Jeden Kunden freundlich begrüßen sowie wieder verabschieden, dabei niemals untätig herumstehen, sondern Kleidung ordnen oder sortieren. Bei Bedarf soll ich die Kunden beraten. Oha!

Die Minuten vergehen, Kunden kommen und gehen, aber keiner scheint mein „Hallo“ und „Auf Wiedersehen“ wahrzunehmen. Irgendetwas mache ich falsch. Ich stehe und gehe, falte zum 57 Mal das „süße“ T-Shirt mit dem Eulen-Aufdruck. Meine Füße, mein Rücken! Dann 30 Minuten Pause. Ich flitze in den Personalraum, hole mein Portemonnaie, besorg mir im Supermarkt um die Ecke etwas zu essen, esse während ich meine Mails auf dem Handy checke und die Pause ist wieder vorbei. Weitere Stunden stehen und gehen folgen sowie eine weitere Pause, dann ist es 19 Uhr und wir können schließen. Ich habe keine Lust mehr. Das macht ja überhaupt keinen Spaß. Und wessen Füße und Rücken machen das bitte mit?

Dass wir nun aufräumen, ist mir klar. Nicht klar dagegen, dass die Bügel gerade geklopft und in gleichen Abstand zueinander gebracht werden müssen, die Schilder in die Kleidung gesteckt, die Basics nach Größe sortiert, die Hemden auf Kante liegen und die Knöpfe eine Linie ergeben müssen – vom untersten bis zum obersten Teil. Ich glaube es nicht, was für ein Akt! Und nach den ersten Kunden am nächsten Tag, wird doch sowieso alles aussehen wie vorher! Am liebsten würde ich hinschmeißen. Aber Aufhören gibt’s nicht.
An den Umkleidekabinen

Aufseherin Hella geht mit hinter dem Rücken verschränkten Armen durch meine Kleider-Reihen und beäugt kritisch jedes Kleidungsstück, jeden Bügel, zupft hier, zupft da. Aber im Großen und Ganzen bestehe ich den Test.

Dienstag ist Inventur angesagt. Wir starten mit dem Scannen jedes Schildes um 15 Uhr. Gegen 23 Uhr sind wir fertig und die Scanner werden ausgewertet. Das Ergebnis ist erschütternd. Es fehlt eine Menge! Aber noch wird der Kopf nicht in den Sand gesteckt, denn erst einmal heißt es „Teile suchen“ und nachzählen. Kleidungsstück für –stück taucht wieder auf, aus der Rücklage, aus dem Personalverkauf oder doch im Lager oder auf der Verkaufsfläche. Um halb zwei bin ich wieder „zuhause“.

Am Mittwoch habe ich dann endlich eine Ahnung davon, was bei Vero Moda alles im Sortiment ist und wo ich welche Kleidung im Laden finde. Mein Platz heute ist an der Umkleidekabine. Im Detail bedeutet das Kleidung sortieren und wieder an ihren Platz bringen, aber auch Kundenberatung. Und heute läuft es! Ich mache meinen ersten Verkauf und bin ganz schön stolz. Kurz darauf mache ich den Verkauf meines Lebens mit fast dem 6-fachen des gewünschten Wertes pro Bon und Kunde. Wie cool! Jetzt fängt es an Spaß zu machen!

Am Nachmittag wird der Laden neu dekoriert. Die Suche nach den Kleidungsstücken beginnt von vorn.

Donnerstag und Freitag bin ich wieder im Verkauf. Das Stehen wird leichter, die Kunden hören mittlerweile mein „Hallo“ und „Auf Wiedersehen“ – Augenkontakt ist das Schlüsselwort. Ich freue mich über jedes Dankeschön von Kunden, die sich gut beraten fühlten. Das werde ich zukünftig auch öfter sagen, weil ich jetzt weiß, was es für den Job bedeutet. Besonders aber freue ich mich über das Feedback einer Kollegin, für die ich gefühlt schon immer zum Team gehören könnte. Mein Herz geht auf.

Nebenbei entdecke ich mehr und mehr Teile, die sich gut in meinem Kleiderschrank machen würden. Und so endet meine Woche mit einem ordentlichen Einkauf und einem Kleidungsstück meiner Wahl als Dankeschön vom Team. Es wird eine Jeans – eine ganz tolle! Wenn ich sie trage, werde ich immer an das Vero-Team in Lübeck denken. Es war schön bei euch!

Nun zum Beruf der Verkäuferin: Verkaufen ist eine Kunst für sich, die ich gern erlernen würde. Ulrikes Stichworte für ihren persönlichen Traumjob sind Organisation, Team und Verkauf. Ob ich die Erfüllung im Verkaufen finden werde, glaube ich nicht. Denn bei einer reinen Ausrichtung eines Jobs an Zahlen würde mir auf Dauer vermutlich etwas fehlen.

Vielen Dank an Ulrike, Fritz, Elena, Julie und alle anderen des Teams!

2 Gedanken zu “Falten, falten, falten – eine Woche im Klamotten-Paradies – Job 4

  1. Den gleichen Job hatte ich auch einmal für 3 Monate als Aushilfe – bei einem anderen skandinavischen Modeunternehmen. Und ich teile deine Erfahrungen voll und ganz – seitdem kann ich immerhin meinen Kleiderschrank gut in Ordnung halten und die Verkäuferinnen schätzen mich sehr als Kundin, weil ich immer alles brav wieder falte, was ich im Laden auseinander gefaltet habe 😉

    Ich bin dir gleich mal bei Facebook gefolgt um deine weiteren Jobs zu beobachten, sehr spannend!

    Liebe Grüße
    Astrid von http://www.lovesomedeals.de

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