Das war´s

Im Endjahres-Blues befindlich zieht auch an mir das Jahr 2014 noch einmal vorbei. Was war, was ist und was kommen mag – ihr kennt das in den letzten Tagen eines Jahres.

2014 war für mich das Jahr der großen Gefühle. Sowohl richtige Höhen als auch richtige Tiefen waren dabei. Das erste Halbjahr verbrachte ich im Schatten einer schweren Zeit und dem Verlust eines mir sehr nahestehenden Menschen. In einem der Bücher, die ich in dieser Zeit über das Leben und Sterben las, hieß es sinngemäß „Menschen sterben, weil sie geboren werden “. Den Tod als Teil des Lebens zu akzeptieren fiel mir schwer.

“We all have two lives. The second one starts when we realize that we only have one.” (Tom Hiddleston)

Mein zweites Leben begann also im Juli dieses Jahres. Leben Nummer 1 steht in wenigen Umzugskartons auf dem Dachboden meines Elternhauses.

In diesem Jahr ist aber auch viel Gutes passiert. Seit Beginn meines Projekt „30 Jobs in einem Jahr“ bin ich in so viele offene Arme gelaufen, habe unglaubliche Hilfsbereitschaft bekommen, Zuspruch und Herzlichkeit. Hätte mir das vorher jemand prognostiziert, ich hätte es nicht für möglich gehalten. 14 Jobs habe ich getestet – damit ist quasi Halbzeit. Zum Ende des Jahres hier einen kleinen Einblick in das, was ich über die Jobs hinaus erlebt und gelernt habe und ein Danke an alle, die ein Teil meiner Reise waren.

Wir leben nur einmal – (1986 – 20XX)

Weiß jeder, aber irgendwie… Der eigene Tod, die eigene Endlichkeit ist beängstigend. Für mich zumindest. Ich weiß nicht mehr, wie viele Bücher ich zu diesem Thema gelesen habe – aber glaubt mir, es waren viele. Und für mich passt, was Tom Hiddleston sagt: Unser zweites Leben beginnt, wenn wir begriffen haben, dass wir nur eins haben.

Seit der Zeit der Konfrontation mit dem Tod habe ich aufgehört zu warten. Wenn man nicht glücklich ist, hat man zwei Möglichkeiten. Entweder man ändert die Situation oder man akzeptiert sie. Ich habe lange gegrübelt und gehofft, dass die Lösung irgendwann zu mir kommt, dass es besser wird oder zumindest anders, dass ein Mensch in mein Leben kommt, der das gefühlte Ungleichgewicht in meinem Leben wieder aufhebt. Aber Warten ist Quatsch. Niemand ist für mein Leben verantwortlich, außer ich selbst.

 

Just do it

Natürlich sollte man nie kopflos irgendwo hineinrennen. Aber ab einem gewissen Punkt hilft Nachdenken auch nicht weiter. Vor allem, weil man sich sowieso nie sicher sein kann. Bevor ich das Projekt startete, hatte ich viele Bedenken. Werde ich mit meinen Ersparnissen hinkommen? Kann ich wirklich auf meine 4-Wände verzichten? Werde ich überhaupt Zusagen für einwöchige Praktika bekommen? Ist der Traumjob eine Illusion? Werde ich damit klarkommen, jede Woche die Neue zu sein und bei Null anzufangen? Was soll ich nach dem Projekt in Vorstellungsgesprächen sagen, wenn ich meinen Traumjob nicht gefunden habe? Das ist nur ein Bruchteil der Zweifel, die ich vor Beginn hatte. Aber weder ich selbst noch jemand anderes konnte mir eine Antwort auf die Fragen geben. Ich habe gelernt, dass man viele Antworten ausschließlich durch Ausprobieren erhält. Aber nicht nur das. Wo es Risiken gibt, gibt es auch Chancen. Und die, die ich in den letzten Monaten bekommen habe, konnte ich mir vorher nicht ansatzweise ausmalen. Deswegen mittlerweile immer dabei: eine große Portion Optimismus.

Nicht nur ich koche mit Wasser

Egal in welchen Job ich bisher hineingeschnuppert habe, eine Rocket Science war noch nicht dabei. Nicht, dass nicht professionell gearbeitet worden wäre, aber oft war es in der Realität nicht so kompliziert, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und viel öfter als ich gedacht hatte, wird auch einfach nur gegoogelt.

Hin und wieder werde ich von Freunden um Rat gebeten, wenn es um Bewerbungen geht. Bei den Frauen unter ihnen gibt es oft Zweifel sich überhaupt zu bewerben, wenn sie eine oder wenige Kriterien einer Stellenausschreibung nicht erfüllen. Typisch Frauen, aber lasst euch gesagt sein: was ihr nicht könnt, könnt ihr lernen! In Wien war ich als stiller Gast in einer Talkrunde mit Brigitte Ederer dabei, ehemals Personalvorstand der Siemens AG und ehemalige Politikerin in Österreich. Auch sie plädierte in der Runde für mehr Risikobereitschaft unter Frauen. Also Mädels, traut euch! (Jungs natürlich auch, aber ihr traut euch in der Regel eh.)

Netzwerk, Netzwerk

Als ich mein Projekt im Sommer startete, habe ich die ersten Job-Aufrufe über meinen Facebook-Freundeskreis gestartet. Kurze Zeit später bekam ich eine Mail, von einem Freund. Er hätte einen Verwandten, den Geschäftsführer einer angesehenen Marketing-Agentur gefragt, ob er mich eine Woche für mein Marketing-Praktikum mitnehmen würde. Und dieser möchte nun wissen, wann meine Website online wäre. Oha! Der Geschäftsführer einer Marketing-Agentur zählt über zwei Ecken zu meinen „Bekannten“ und will sich meine selbstgebastelte Seite anschauen? Aber auch das Feedback über diesen Kontakt hinaus war überraschend. Wen man nicht alles kennt! Falls ihr etwas vorhabt und nicht wisst wie – fragt in eurem Bekanntenkreis. Ihr werdet überrascht sein, welche Kontakte, Ideen und Angebote auftauchen. Einfach fragen!

Hilfsbereitschaft und es gibt sie doch

Okay, an dieser Stelle werde ich jetzt noch einmal sentimental. In den letzten 6 Monaten konnte ich mir mehrfach kleine Tränen nicht verkneifen, mit soviel Herzlichkeit und Gastfreundschaft wurde ich empfangen und soviel bedingungslose Hilfsbereitschaft habe ich von Fremden erfahren. Als mich eine Couchsurferin zum Abschied in den Arm nahm und sagte „es hat gut getan, dass du da warst“, musste ich schlucken. Zu meckern ist oftmals so einfach, Positives zu sagen nicht. Ist doch komisch. Und dabei tut es so gut! Ich werde mir Mühe geben, von alledem soviel wie möglich zurückzugeben, offen und positiver durch die Welt zu gehen und zu helfen, wo ich helfen kann. Und wenn eine schöne Kassiererin meinen Eistee über den Scanner zieht, möchte ich mir einen Ruck geben und einfach sagen „Sehen Sie schön aus“.

 

Das war es in 2014 von mir!

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr, alles Gute, vielen Dank für alles und hoffentlich bis bald.

Jannike

15 Gedanken zu “Das war´s

  1. Hi Jannicke,
    Ich wünsche dir noch viele gute Erfahrungen und viel Glück „den“ Job zu finden, der dich in den nächsten paar Jahren erfüllt, bis es vielleicht aufgrund von Änderungen im Leben nochmal vielleicht ein anderer sein darf. Das Leben ist schön und wenn die Arbeit, die du zum Broterwerb machst, auch noch Spaß macht, ist es noch schöner. Viel Erfolg!!! und einen guten Start in das neue Jahr und die nächste Runde.
    Veronika

    Gefällt 1 Person

    • Hi Christoph,

      danke! Nein, das andere Projekt kannte ich noch nicht, danke für den Link! Werde die Tage mal durchstöbern, was Jan alles erlebt hat. Auch auf deiner Seite werde ich hin und wieder mal vorbeischauen. Ich selbst war 2013 dort und mir hat es auch so gut gefallen.

      Dir ebenfalls alles Gute fürs neue Jahr und liebe Grüße
      Jannike

      Gefällt mir

  2. Liebe Jannike,

    gäbe es den Blogger Kommentiertag nicht, wäre ich wahrscheinlich gar nicht hier gelandet. Dabei ist das ein ganz außergewöhnliches Projekt und ich bin gespannt, wie es weitergeht. Diese „was-wäre-wenn-Geschichte“ kennt wohl jede/r von uns. Erst recht, wenn man Kinder hat, hinterfragt man das öfter, denn man kann sein Leben eben nicht leben, dann zum Punkt X zurück spulen und die eine oder andere Entscheidung treffen.

    Ich finde es toll, dass du dieses Projekt in die Tat umgesetzt hast und werde in Zukunft weiter folgen.

    Viele Grüße, Sophie

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Jannike !
    Kann mich nur Sophie anschließen – ohne Blogger Kommentiertag wäre ich auch nicht hier gelandet. Dein Projekt finde ich außerordentlich spannend. Habe schon einige Berichte gelesen, Job 11 gefiel mir am besten, aber ich werde dir weiter folgen und schauen, welche spannende Jobs du noch finden und beschreiben wirst.
    liebe Grüße
    Alex

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  4. Respekt…..14 Jobs in einem Jahr…Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mit Bewerbungen oft Pech habe, selbst, wenn ich die Anforderungen eigentlich erfülle… Der Mut mich dann auf eher ungeeignete Stellen zu bewerben fehlt mir dann ganz…
    In diesem Jahr wird aber ein ordentlicher Arbeitsplatz wieder fällig, ich hoffe, dass es diesmal rund läuft…
    Liebe Grüße
    Yasmin

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Yasmin,

      eine coole Seite hast du! Ich drücke dir die Daumen für deine Bewerbungen. Und wenn du nicht alle Anforderungen einer Ausschreibung erfüllst, den Job aber interessant findest – versuch´s trotzdem. Nicht jede formulierte Anforderung ist ein Muss und wie gesagt, Frauen neigen zu Understatement. Und wenn du für dein Gefühl in der Bewerbung zu dick aufträgst, trifft es wahrscheinlich gerade die Realität. 🙂

      Viel Erfolg und liebe Grüße,
      Jannike

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  5. Liebe Jannicke,

    ich bin wirklich beeindruckt. Mein erster Impuls: wow, mutig, würde ich mich nicht trauen. Aber wie du selbst sagst/schreibst: das ist ein typisch weiblicher Gedanke. Warum nicht mal raus aus seiner Komfortzone, rein ins Ungewisse. Je mehr man sein Leben und gewisse Entscheidungen zerdenkt, umso mehr verschließt man sich für neue Erlebnisse und Möglichkeiten, die so bereichernd seien könnten.

    Liebe Grüße Juliane

    Gefällt 1 Person

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