Chantal, heul leise! – Job 23

Elyas M’Barek, wo bist du, wenn man dich braucht? In dieser Woche kann ich deine pädagogisch wertvolle Hilfe nämlich gut gebrauchen. Ich bin bei der gemeinnützigen Organisation Joblinge, die Jugendlichen dabei hilft, eine Ausbildung oder einen Job zu finden und möglichst auch zu behalten. Aber entgegen meiner Vermutung treffe ich in München nicht auf lauter motivierte Jugendliche, sondern eher auf einen Haufen, den man so auch im Film „Fack ju Göhte“ hätte antreffen können und von denen die meisten noch lernen müssen, um was es alles gerade bei ihnen geht. In ihren Lebensläufen finden sich abgebrochene Ausbildungen, Praktika, Fördermaßnahmen vom Arbeitsamt, Sechsen im Schulabschlusszeugnis oder einfach mal etliche Monate nichts. Weiterlesen

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Ich spring von Level zu Level zu Level – Job 22

Wenn Björn von Fettes Brot davon rappt, dass er ein Mädchen in Hammerbrook liebt (erst digital, dann analog), kann er eigentlich nur von Ariel der Meerjungfrau sprechen, die ich Mensch geworden in meinem Job als Concept Artist bei InnoGames, einer der größten deutschen Computerspiele-Entwicklungsfirmen, antreffe. Mit langem roten Haar, einem Leder-Minirock, einer durchsichtigen schwarzen Bluse und schwarzen Plateau-Stiefeln schüttelt sie mir zur Begrüßung die Hand und stellt sich als Olga vor. Weiterlesen

Tanze als würde dich niemand sehen – Job 21

In Wien, der Stadt des Walzers, teste ich in dieser Woche den Beruf der Tanzlehrerin. Ganz umsonst bekomme ich noch einen zweiten Job dazu: Fitnesstrainerin. Diese Woche wird also anstrengend. Ob ich tanzen kann? Nö. Was aber nicht heißt, dass ich es nicht gern tue. Am liebsten allerdings, wenn niemand zusieht und die Musik bis zum Anschlag aufgedreht ist. Meine Leidenschaft für heimliches Tanzen endete für mich übrigens schon einmal um halb eins nachts in der Notaufnahme. Weiterlesen

Schnipp, schnapp, alles ab – Job 20

Stell dir vor, Angela Merkel ruft bei dir an und fragt, ob du morgen Zeit hast, um auf einen Kaffee bei ihr vorbeizukommen. Was antwortest du?

Es gibt Dinge, zu denen sagt man nicht nein. So geht es mir, als sich Miriam vom Naturhistorischen Museum in Wien bei mir meldet und mir ein Praktikum anbietet. Das NHM gilt als eines der bedeutendsten Naturmuseen der Welt und fragt mich, ob ich vorbei kommen möchte. Na klar, ich bin begeistert! Bis ich lese, um welchen Job es sich handelt. Tierpräparatorin. Wie widerlich. Tote Tiere. Ich erinnere mich noch gut an meine Zusage: „Liebe Miriam, herzlichen Dank für euer Angebot. Ich würde es gern zusammen mit der damit verbundenen Mutprobe annehmen.“

Und jetzt sitze ich vor einer Amsel und halte eine Pinzette in der Hand, an der Teile von einem Amselgehirn kleben. Weiterlesen

Von einer zerbrochenen Liebe – Job 19

Dass Wissen Macht ist, wusste ich schon. Wie weh Wissen aber auch tun kann, lerne ich in dieser Woche. Mal angenommen: Ich lebe in einer glücklichen Beziehung mit meinem Freund. Er ist die Person, die mich ergänzt, mit der ich gemeinsam lachen kann und die mir ungefragt Wein nachschenkt, wenn ich denke, dass es ruhig noch ein Schlückchen sein dürfte. Wären da nicht immer wieder die Lippenstiftflecken auf seinem Hemdkragen. Das Frauenparfum, das in seinen Haaren hängt, wenn er nach vielen Überstunden geschafft nach Hause kommt und „einfach nur noch schlafen will“. Die Rechnungen für Hotelaufenthalte, die aus seiner Aktentasche herauslugen. Mühe, die Zeichen zu verstecken, macht er sich keine. Ich nehme ein Stück Gallseife und rubbele an dem Fleck auf seinem Hemd herum. War da was? Die Rechnungen schiebe ich mit den Fingerspitzen wieder zurück in die Tasche. Ich habe nichts gesehen. Ich liege noch länger wach. Mein Magen krampft. Sollte ich doch genauer hinsehen? Ihn fragen und mit meinen Vermutungen konfrontieren? Muss ich mich trennen, falls ich Recht habe? Die Wohnung auflösen, die Möbel aufteilen? Einsam sterben? Was für eine Vorstellung. Ich schlafe ein. Weiterlesen

Von Origami-Tigern und Turnschuhen – Job 18

Ballindamm, Hausnummer 9. Hamburg. Mit der Binnenalster im Rücken starre ich auf eine Glastür, hinter der sich eine seltsame Dunkelheit auftut. Die Tür geht auf, ein Mann kommt heraus. Ich erhasche einen Blick auf schwache Lichter, die sich auf Hüfthöhe zu befinden scheinen. Die Tür, die mich in die erste Liga der Marketing-Welt führen soll, fällt wieder zu. Ich klingele, der Türsummer antwortet. Ich trete ein und folge einem dunklen Gang rechtsherum in Richtung einer schwachen Lichtquelle.

„Willkommen bei Nordpol!“, begrüßt mich Kreativ-Direktor Ingmar Bartels in der Lobby der Boutique Agentur, einem Raum mit Loft-Charakter. Außer zwei Designer-Sofas, einem langen weißen Tresen, befindet sich nur noch ein Origami-Tiger in Lebensgröße vor der Fensterfront, hinter der Fußgänger vorbeilaufen. Aus dem Image Film von Asics. Auf dem Sofa sitzt ein Hipster und nickt mir zu. Ich folge Ingmar zum Fahrstuhl. Wir fahren in den vierten Stock, über den man auch alle anderen Stockwerke erreicht, wie ich auf dem Weg nach oben erfahre. Der Fahrstuhl dient damit nicht nur als Transportmittel, sondern auch als Begegnungsstätte. Raus aus dem Fahrstuhl, linksherum, vorbei an gläsernen Wänden, über eine Brücke aus Holzbalken, wieder linksherum. Wo ist der Tunnel, durch den man robben muss? Eine freischwebende Treppe führt uns wieder eine Etage tiefer. Lass mich nicht allein, Ingmar, denke ich. Hier finde ich nicht mehr raus. Weiterlesen

Leber, Milz und Prostata sind von den Organen da – Job 17

Mein Herz hüpft, wenn ich hier so sitze und mir die vergangenen Tage durch den Kopf gehen lassen. Ich bin einfach verzückt, auf welch´ großartige Weise der menschliche Körper funktioniert. Am Mittwochabend kurz vorm Einschlafen spüre ich, wie meine Organe im Bauchraum in Richtung Matratze rutschen, als ich mich auf die Seite drehe, spüre, wie meine Lunge arbeitet und meinen Brustkorb hebt und wieder senkt. Ich lebe. Und mein Körper funktioniert. Und die Organe – alle gehören mir. Ich schlafe mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein und in dieser Nacht so gut wie lange nicht mehr.

Am Montagmorgen treffe ich in der Uniklinik Leipzsch auf Katrin Schierle, Oberärztin in der Pathologie. Mit der lebensfrohen Pathologin lande ich einen Glückstreffer, ist sie doch in der Lage, komplexeste Sachverhalte für einen Fachfremden verständlich herunterzubrechen. Genau das, was ich diese Woche brauche. Nach einer Dienstbesprechung mit allen Ärzten der Abteilung, einem Rundgang und zwei Sets Arbeitskleidung – hellblau für die Mittagspausen und dunkelblau für die Arbeit, bei der man sich auch mal schmutzig macht – greift Katrin schon beherzt mit ihren beiden Händen in einen Eimer voller Formalin, holt eine 3,5 kg schwere Leber heraus und schneidet sie auf dem Tisch in feine Scheiben. Weiterlesen

Stein auf Stein – Job 16

Job Nummer 16 beginnt bereits am Sonntagabend. Von Architektin Kristina und ihrem Mann Tom werde ich zum Abendessen in ihre brandneue Berliner Wohnung eingeladen. Nach einer japanisch angehauchten Vorspeise aus Gurken, Champignons und Sesam gibt es selbstgemachte Lasagne. Nicht nur das Essen hat hier Stil. Die Wohnung, die Einrichtung, die Frisuren und die Kleidung. Alle Einzelteile ergänzen sich wie in einem Mobile und sind wunderschön anzusehen.  Weiterlesen

Viele Wege führen zu einem Job – Job 15

Am Sonntag geht es für mich nach vier freien Wochen auf zu meinem 15. Job in die Berliner Niederlassung der bundesweit tätigen Karriereberatung von Rundstedt. Nachdem ich mit meiner Familie der Gesundheit zu Liebe ab Neujahr eine vegane Zeit eingelegt und zusätzlich auf Weizenmehl und Zucker verzichtet hatte, führt mich mein erster Weg zur Tanke. Auf meinem Bon stehen Sprit, Mettbrötchen und Schokolade. Ich kann ihn dieses Jahr bei meiner Steuererklärung einreichen. Es hat sich durch mein Projekt nämlich eine kleine Einnahmequelle aufgetan. Weiterlesen

Das war´s

Im Endjahres-Blues befindlich zieht auch an mir das Jahr 2014 noch einmal vorbei. Was war, was ist und was kommen mag – ihr kennt das in den letzten Tagen eines Jahres.

2014 war für mich das Jahr der großen Gefühle. Sowohl richtige Höhen als auch richtige Tiefen waren dabei. Das erste Halbjahr verbrachte ich im Schatten einer schweren Zeit und dem Verlust eines mir sehr nahestehenden Menschen. In einem der Bücher, die ich in dieser Zeit über das Leben und Sterben las, hieß es sinngemäß „Menschen sterben, weil sie geboren werden “. Den Tod als Teil des Lebens zu akzeptieren fiel mir schwer.

“We all have two lives. The second one starts when we realize that we only have one.” (Tom Hiddleston)

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